Die Avisierung – kurz Avis – kündigt eine Abholung oder Anlieferung bei Versender oder Empfänger an, damit dort jemand bereitsteht. Sie nennt Tag und Zeitfenster und geht in der Regel ein bis zwei Tage vorher per Telefon, Mail oder SMS an einen benannten Ansprechpartner.
Verbindlich wird die Ankündigung überall dort, wo die Annahme organisiert werden muss: bei Privatadressen, bei Zustellung in einem festen Zeitfenster und an Anlieferstellen mit Anmeldepflicht am Werkstor. Wer einen Fixtermin vereinbart, bekommt sie als festen Bestandteil des Ablaufs. Wer die Ankündigung übernimmt, ist Vereinbarungssache – meist der Disponent des Transportdienstleisters, im Streckengeschäft auch der Versender. Hinein gehören immer dieselben Angaben: Auftragsnummer, Packstückzahl samt Art der Ladeeinheit, Gewicht, voraussichtliche Ankunft und der Hinweis, welches Gerät zum Abladen gebraucht wird.
Entscheidend ist aber, wen sie erreicht. Eine Ankündigung an die Zentrale ist formal erledigt und praktisch wertlos: Die Ware kommt trotzdem, nur weiß an der Rampe niemand davon. Gebraucht wird die Person, die die Annahme quittiert, mit direkter Durchwahl – dieselbe Angabe, die bei der Buchung ohnehin hinterlegt gehört. Bleibt die Kostenfrage: Viele Anbieter führen das Avis als Zuschlag. Bei zipmend steckt es im Festpreis aus dem Preisrechner.
Ein Automobilzulieferer beliefert ein Werk, das Anlieferungen nur in gebuchten Zeitfenstern annimmt. Zwei Tage vorher meldet der Disponent die Sendung beim Wareneingang an und bekommt einen Vormittagsslot. Die Ankündigung geht anschließend mit Slot, Kennzeichen und voraussichtlicher Ankunft an den Schichtleiter der Halle, nicht an die Pforte. Am Liefertag meldet sich der Fahrer am Tor, wird der gebuchten Rampe zugewiesen und ist nach dem Entladen wieder draußen. Zwischen Torankunft und Abfahrt liegt in solchen Werken oft weniger als eine Stunde – weil vorher geklärt war, wer die Ware erwartet. Ohne diesen Vorlauf steht die Ware im Werk auf keiner Liste, und es bleibt ein neuer Termin am Folgetag.
Ein Abhol- oder Zustellzeitfenster ist der Zeitraum selbst; die Avisierung ist die Nachricht, die ihn ankündigt. Zeitfenstermanagement meint das System dahinter, mit dem ein Wareneingang seine Slots vergibt – die Ankündigung ist darin nur ein Schritt. Von der Vorlaufzeit trennt sie die Blickrichtung: Vorlaufzeit meint die Spanne, die ein Auftrag bis zur Abholung braucht, das Avis liegt an deren Ende. Und sie ist keine Sendungsverfolgung: Die eine ist eine einmalige Ankündigung vorab, die andere ein laufender Status während der Fahrt. Der Begriff Lieferavis schließlich bezeichnet dieselbe Sache, steht im SAP- und EDI-Umfeld aber für die elektronische Nachricht, die ein Versender seinem Empfänger schickt – gemeint ist die Ankündigung, unterschiedlich ist nur der Kanal.
Immer dann, wenn die Annahme nicht ohne Weiteres gesichert ist: bei Privatadressen, bei vereinbartem Zeitfenster und an Anlieferstellen mit Anmeldepflicht. Viele Wareneingänge nehmen ohne vorherige Ankündigung überhaupt keine Ware an und schicken das Fahrzeug zurück. Im Zweifel gehört der Hinweis deshalb schon in den Auftrag.
Das ist anbieterabhängig. In vielen Preislisten steht sie als Zuschlag neben Wartezeit, Hebebühne oder Zeitfensterzustellung und taucht dann erst auf der Rechnung auf. Bei zipmend gehört sie zum Festpreis, der im Preisrechner ausgewiesen wird – nachträglich kommt dafür nichts dazu. Wer Angebote vergleicht, sollte den Punkt deshalb ausdrücklich abfragen.
Das Fahrzeug fährt trotzdem und trifft auf einen Empfänger, der nichts erwartet. Ist niemand da oder das Tor geschlossen, entsteht Wartezeit; im schlechteren Fall muss ein zweiter Anlauf am Folgetag gefahren werden, den jemand bezahlen muss. Eine direkte Durchwahl im Auftrag verhindert beides.